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  • Л. Храмова. Тот храм, построенный из бревен
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Земля Даурская
Виктор Балабанов. Путешествия через Читу. Перевод на немецкий Торстена Веллера


Переводчик: Торстен Веллер


Путешествия через Читу

 

Перевод на немецкий Торстена Веллера

 

Reise durch Tschita

 

      Im 18. Jahrhundert verschlug es nicht wenige ausländische und russische Forschungsreisende nach Transbaikalien. Alle kamen dabei durch den Tschitaer Ostrog, von wo sie weiter mit Flößen auf den Flüssen Ingoda und Schilka bis Charamangut (das heutige Darrasun), Nertschinsk, Sretensk und über die Mündung des Flusses Argun bis nach Nertschinskij Savod fuhren. Nach Beendigung ihrer Tour kamen sie erneut durch den Tschitaer Ostrog. Selbst der Schriftsteller Steven Defoe schickte seinen Helden Robinson Crusoe die Schilka und den Ingoda flussaufwärts bis zum Dorf Ploty [dt.: Flöße] (oder Плотбище [dt.: Flößerstelle]), wie Tschita ursprünglich genannt wurde.

  Durch den Tschitaer Ostrog reisten damals berühmte Forschungsreisende wie Daniel Gottlieb Messerschmidt, Gerhard Friedrich Müller, Johann Georg Gmelin, Stephan Petrowitsch Krascheninnikow, Benedict Franz Johann von Herrmann (?), Peter Simon Pallas, Nikita Petrowitsch Sokolow, Johann Gottlieb Georgi, Eric Gustav Laxman und Eugène Louis Melchior Patrin. Jeder von ihnen verfasste eine Beschreibung oder Bemerkung über Tschita und seine Umgebung.

Messerschmidt, der nach einer Rundreise durch Transbaikalien dort erneut Station machte, wurde Zeuge des Erdbebens vom 25 Januar 1725. Zudem schrieb der Wissenschaftler, dass die Länge des Ingoda nach damaliger Rechnung „6 Tagesreisen“ misst.  

    Im Jahre 1735 machte eine von Müller und Gmelin geleitete Forschungsexpedition in Tschita Station. Unter den Teilnehmern befanden sich die damaligen Studenten Krascheninnikow, A. Gorlanow, W. Tretjakow, I. Jachontow. Die Studenten reisten entlang verschiedener Routen und präsentierten Müller ihre Beobachtungen: Jachontow – „Reise von Selenginsk bis nach Nertschinsk“; Gorlanow – „Reise mit der Kutsche von Nertschinsk bis sur Tschitaer Siedlung“. Krascheninnikow beschrieb die Ingoda und die Ufersiedlungen unterhalb Tschitas. Über die Flussläufe nahe der Mündung schrieb er, dass sich dort acht Wohnhäuser nahe des Ostrogs und eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche befunden hätten. Benedict Franz Johann von Hermann veröffentlichte nach seiner Reise durch Transbaikalien sein dreibändiges Werk „Traktat über die sibirischen Bergwerke und Fabriken“ (1797–1801). Die Landschaft Dauriens und seiner Berge – schrieb Hermann – erinnere ihn an einen Boden, auf dem man ein Fass Äpfel ausgeschüttet habe. 

         Im Jahr 1772 gelangten Pallas, Sokolow und Georgi nach Tschita. Der Moskauer Hauptstraße folgend, auf der sich zwischen Udinsk und Tschita mehr als 20 Siedlungen und Poststationen befanden, schrieb Pallas: „Ich setzte meine Reise bis Tschita fort, vorbei am großen See Kenon bis zum Dorf Zasopotschnij, das sich sechs Werst flussaufwärts von Tschita am Ingoda befindet, wo wir Rast machten, um uns für die Weiterfahrt Brot zu backen.“

          Für Pallas und seine Gefährten wurde auf dem Fluss Tschita ein Floss gebaut, und „am 13. Mai wurden unsere Gespanne bei Zasopotschnij aufs Floß verfrachtet … mit dem wir flussabwärts durch den Tschitaer Ostrog fuhren und in die Ingoda einmündeten.“ Auf der Ingoda reist er weiter bis Charamangut (Darrasun) und fährt von dort weiter bis zum Onon. Pallas war der Ansicht, dass der Name des Jablonowygebirges vom Jablena-Daban-Pass (begehbarer Gebirkspass) und kritisierte die, welche meinten, der Name stamme von der Vielzahl Steinformationen, angeblich „Äpfel“ genannt, (russ. Jabloka) oder von wildwachsenden Apfelbäumen. 

          Auch der wenig bekannte Eugène Louis Melchior Patrin gelangte nach Tschita. Auf Pallas Empfehlung wurde er zum Mitglied der Expedition nach Kolymkien und Tschukotka ernannt. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden konnte er nicht an der gesamten Expedition teilnehmen und schaffte es 1785 nur bis Transbaikalien.

          Nachdem er nach Frankreich zurückgekehrt war, veröffentlichte er auf Französisch einige Artikel über Daurien. Insbesondere war er einer der ersten, die über die Transbaikaler Lagerstätte wundersamer Steine berichtete, die sich als Halbedelsteine herausstellen sollten. 1795 schrieb er darüber seine „Oryktographie“, in der er einen wesentlichen Teil Daurien widmete. Er meinte, das unter der Bezeichnung Daurien bekannte Gebiet umfasse den Großteil der Region östlich des Baikals bis zum Pazifischen Ozean, das von Russland während des 17. Jahrhunderts annektiert wurde. Transbaikalien, also der Teil Dauriens, der sich vom Baikal bis zum Argun erstreckt, sei eine Landmasse, die durch uralte Gesteinsschichten verbunden werde. Später, in den Arbeiten Wladimir Afanassjewitsch Obrutschews, wurde es der „Urwirbel Asiens“ genannt. Allerdings umfasste es dann schon ein deutlicher kleineres Territorium als von Patrin beschrieben.

        Patrin befuhr die Ingoda, die Schilka und den Argun. Nach Patrins Ansicht musste vor der Entstehung der Flussläufe dort ein bedeutendes Bassin existiert haben. Aus der Tatsache, dass je weiter flussabwärts, also je weiter nach Osten, man auf der Ingoda und der Schilka fuhr, desto größere Mengen an Flussschotter hatten sich angesammelt, zog er den Schluss, dass das Urbassin von Osten nach Westen strömte.

Im 17. Jahrhundert, besonders in der zweiten Hälfte, erschienen über Daurien viele Artikel auf französischer und deutscher Sprache, die so nicht oder nur teilweise ins Russische übersetzt wurden. Dazu gehört auch die Arbeit Eugène Louis Melchior Patrins.